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Maria C. Holter
IST + IST

Katalogtext 1994

 

Barbara Höller liebt Sprache und Bilder – Sprache, wenn sie der Mehrdeutigkeit der Bilder gerecht wird, Bilder, wenn sie als Metapher für das Unsagbare fungieren. “Winkelbild”, “Blinker-Bild”, “Pokerspiel”, oder Kürzel wie “IST” und “UND” benennen ihre neuesten Arbeiten. Die minimalistische Sprache als Instrument der Kategorisierung eigentlich unbezeichenbarer Tat-Sachen? Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, offenbart sich die Unzulänglichkeit des Benennens und Beschreibens visuell-künstlerischer Manifestationen, die jedem werkbetrachtenden Text zu eigen sein muss; vielmehr noch, wenn es sich dabei um Werke abstrakter Malerei handelt. Über Barbara Höllers minimalistische Bildäußerungen annähernd adäquat zu sprechen, bedeutet wohl eher Innehalten denn Wortflut, Zeichen reden machen denn mit Worten zu bannen.

 

Wie das Wort an das Aussprechbare, so klammert sich das Auge an Offensichtliches: jene freiliegenden Quadrate, Beinahequadrate, Nichtganzrechtecke, winkeligen Rahmenformen und Linien, die zwar wichtiger Bestandteil, aber nicht eigentlich Gegenstand der “Malerei” Barbara Höllers im tätlichen Sinne sind. Sie sind viel mehr Fehlstellen in einer dünnhäutigen Malschicht, den Träger –  eine weiße, kaum gemaserte Pappelsperrholzplatte – dem Auge (als Projektionsfläche?) preisgebend. Was ist nun Bild? Die Fehlform? Das Umfeld? Höller sucht den Gegensatz zwischen beiden aufzuheben; ein “Sowohl-als-auch” oder “IST UND IST” soll bildhaft werden.

IST

Dass sich Polaritäten nur scheinbar als unvereinbar erweisen, ist gerade an Höllers Gestaltungsprozess und Technik abzulesen: Die erste künstlerische Entscheidung, die Wahl der Formate, überlässt sie der Norm. Sie ergeben sich aus den Vertikal- und Horizontalteilungen von 220 x 172 cm großen, industriell gefertigten Sperrholzplatten. Die in Skizzen vorbereitete Bildidee wird nun als Schablone auf den Träger appliziert. Mehrere Grundierungsschichten, Zwischenschliffe und der Auftrag eines Eitempera/Aluminiumstaub-Gemisches folgen, bevor in halbtrockenem Zustand die Abklebungen entfernt und die Negativ-Formen ersichtlich werden. Teilung, Verdopplung und Vervielfachung setzen sich formal und inhaltlich stimmig in der Wahl der Zeichen und Formen fort; auch sie scheinen der Welt der seriellen Produktion, des Computers, der Schaltpläne entlehnt zu sein.

 

Doch birgt der ausgeklügelte, fast maschinell anmutende Fertigungsprozess in sich Unberechenbares und überraschend “Menschliches”: So weiß Barbara Höller um die sensible Oberfläche des im Laufe der Zeit nachdunkelnden, Leinöl absorbierenden Pappelholzes. Dieser dünne, weichste, weißeste und unstrukturierteste aller hölzernen Malgründe mutiert in Höllers Handhabung beinahe zum Papier, dessen spezifische Verwendung als Schablone und Träger in Collagen oder Scherenschnitten bereits vielfältig künstlerisch ausgelotet wurde und wird. Die Umrisse der augenscheinlich mathematisch konstruierten Schablonenformen erweisen sich bei näherer Untersuchung als leicht verzogen, der Strenge der Klebebänder zum Trotz.

 

Auch dem Übermalungsprozess selbst haftet nur bedingt Rationalität an. Schon bei der Beschreibung der Farbwahl stößt man an Grenzen der Definierbarkeit: Die Palette Höllers enthält momentan ausschließlich gedämpfte, (laut Künstlerin) Stimmungslagen angeglichene Mischtöne. Eigenschaften wie erdig, metallisch, nacht-dunkel, nebelig-trüb, licht-atmosphärisch und von Höller selbst geprägte Farbbezeichnungen  wie “Grausilbermattbeige” oder “Dunkelschwarzblau” drängen sich auf. Der Farbauftrag ist einmalig, dünn, emotional motiviert und gestisch artikuliert. Die Künstlerinnenhandschrift variiert mit der Nachdrücklichkeit der Pinselführung – es entstehen Monochrome, deren variable Oberflächenbehandlung (Verdichtung/Durchlässigkeit des Pigments, Transparenz, Mattigkeit/Glanz….) die Werke an Eigenleben und gestischem Ausdruck gewinnen lässt. Äußerste Konzentration erfordert das Lösen der Schablonen: Jede unkontrollierte Geste mit dem Messer oder der den Klebestreifen abziehenden Hand würde die angestrebte Bildwirkung empfindlich stören. Mit letzter Präzision entlässt Höller ihre Bildschöpfungen ins Freie – zur ersten Begutachtung.

1994, Eitempera auf Pappelsperrholz, Diptychon, 60 x 110 cm
UND

“Nun ist es so ein Vibrieren in der Kopfhaut, wenn man es fühlen möchte. Die Ohren zieht es hinauf, die Haare spreizen sich und ein tiefes Misstrauen überfällt…”. Diese Aufzeichnungen aus dem Notiz- und Skizzenbuch Höllers charakterisieren wohl nicht nur die Befindlichkeit der Künstlerin vor ihrem Werk, sondern möglicherweise auch jene der Außenstehenden. Bei Betrachtung des Hauptmotivs – das verdoppelte Quadrat und dessen Varianten – stellt sich in Kürze Verunsicherung, ja Unbehagen ein. Suggerieren die Kompositionen auf den ersten Blick Ordnung, leicht ablesbare Maßverhältnisse und Symmetrie, vielleicht sogar Monotonie, so werden die Erwartungen der Betrachterin oder des Betrachters von der Künstlerin bewusst hintertrieben. Die konkreten, vertrauten Formen werden in ihrer Positionierung innerhalb der Bildfläche zu Irritationsobjekten. Nichts ist so wie es scheint. Gleiches stellt sich nicht als das Selbe dar. Angesichts der leicht aus dem Zentrum gerückten und gegeneinander verschobenen Formen verdoppelt sich gleichsam deren Balanceakt in der Befindlichkeit der RezipientInnen.

 

Mit der Wirkung blendender Scheinwerfer bei nächtlicher Autofahrt (der im übrigen die Serie “Blinker-Bilder” Name und Anstoß verdankt) umschreibt Höller im Gespräch den Effekt einiger ihrer Bilder: Distanzen werden schwer abschätzbar, die Formen verschwimmen, die Beeinträchtigung des exakten Sehvermögens geht mit dem Verlust des (inneren) Gleichgewichts einher, unter körperlicher und geistiger Anstrengung sucht man nach Stabilisierung des Gefährts und des eigenen Zustandes. Die eingangs gestellte Frage nach dem Gehalt des Bildes, nach dem eigentlich Gemeinten und Dargestellten erübrigt sich angesichts Barbara Höllers neuester Arbeiten. Wird nicht die Grenze zwischen Form und Umfeld fragil und durchlässig? Die Gegensätzlichkeit von Höllers Ausdrucksmittel – geometrische Abstraktion einerseits und gestische Malerei andererseits – zur dualistischen Notwendigkeit ? Ist und Ist.

IST

“Inwieweit definiert sich die eigene Identität in der Wiederholung der Existenz in verschiedenen Räumen und in der Reibung am umgebenden Raum?” fragt sich Höller. Inwieweit definiert sich dann die Identität ihrer Bilder jenseits des Vakuums? Zur Präsentation montiert Höller 3 cm tiefe Stahlwinkel an die Plattenrückseiten. Die Tafeln berühren also nicht in traditioneller Weise die Hängefläche; sie sind als eigene Bild-Körper vor der Wand wahrzunehmen. Die Künstlerin spricht in ihren Überlegungen oft von der “Objekthaftigkeit” der (sonst die Flächigkeit betonenden) Gemälde; vom Objekt, das trotz seines dinglichen Zustandes weder an der Wand noch im Raum festzumachen ist, sondern quasi “dazwischen” – “als Scheibe einer Wirklichkeit, die der tatsächlichen vorgehalten ist; … zurückgenommen, so als könnte sie leicht wieder weggenommen werden; flüchtig, unsicher, ungreifbar.”

 

Nicht nur der das Einzelobjekt umgebende Raum wird in das Konzept der Präsentation einbezogen, auch Hängungsabstand und, besonders im Falle der Doppelbilder, Zwischen-Raum bzw. Spalt. Dies geschieht mit für Höller selbstverständlicher Perfektion: Die Abstände zwischen den Tafeln haben ihre Entsprechungen in Maßverhältnissen innerhalb der Bilder; oft vervollständigt der Spalt erst die im Ansatz gedachte Hauptform (meist das Quadrat oder aufeinander bezogene horizontale Linien); scheinbar aufeinander zustrebende Linien stellen sich in der exakten Gegenüberstellung als leicht verschoben heraus, dagegen können durch die bewusste Verrückung der Einzeltafel ursprünglich aneinander vorbeizielende Linien – den Spalt überwindend – in der Paarung als Eins gelesen werden. Bei den Arbeiten der Serie “Pokerspiel” reimt sich erst Tafel für Tafel der (mathematische) Gehalt des Werkes zusammen.

 

Um-, Zwischenraum und natürlich die/der Betrachtende selbst sind im Kalkül der Künstlerin enthalten. Zusammen-Lesen, Formen-Ergänzen, Bezüge-Erstellen, die Augen auf Einzelformen ruhen lassen, dann sich über die Bildtrennung hinwegsetzen. Der Blick tastet weiter, stößt auf bereits Gesehenes – das Gleiche? Das Auge pendelt, vergleicht, misst, differenziert. Höllers Arbeiten offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. LiebhaberInnen vordergründiger ästhetischer Reize werden so schnell nicht auf ihre Rechnung kommen. Barbara Höller fordert Seh-Arbeit gegen Mal-Arbeit, den Willen zur Konfrontation, Konzentration mit und vor ihren Bildobjekten. Mühsam, zugegeben! Doch: die lustvolle Empfindung der Künstlerin im Augenblick des ersten Staunens vor den von Klebebändern befreiten Tafeln findet in der Lust des Publikums am denkenden Schauen ihren Widerhall. Gleiches für Gleiches? Nichts ist schließlich um sonst.

Maria C. Holter ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Vermittlerin und lebt in Wien.